Interview mit Enrico Baumann, CEO und Verwaltungsrat, ELEKTRON AG

Das Internet der Dinge (IoT) ist ein häufig verwendetes Schlagwort. Man kennt das Beispiel von intelligenten Kühlschränken, die eigenständig übers Internet Milch und Butter nachbestellen. Doch IoT ist weit mehr als eine coole Zukunftsspielerei. Durch den gezielten Einsatz von IoT werden wichtige Infrastrukturen viel effizienter und gleichzeitig deutlich sicherer.

Enrico Baumann, Sie haben vor beinahe 20 Jahren die Elektro-Meisterprüfung gemacht. Später wechselten sie die Seiten. Seit sieben Jahren sind Sie nun Geschäftsführer bei der ELEKTRON AG. Wie kam es zu diesem Werdegang?

Die eigene berufliche Entwicklung ist meines Erachtens nicht wirklich planbar – ich war einfach stets neugierig und experimentierfreudig. Technischen Möglichkeiten insbesondere, wenn sie einen Mehrwert für Menschen und Umwelt bieten, haben mich immer schon fasziniert.

Inwiefern ist dabei das Thema IoT für Sie wichtig geworden?

Denken Sie an die Luftqualität in öffentlichen Gebäuden, die sich mit IoT schnell verbessern lassen. Strassen werden nur noch dort gesalzen, wo die Oberfläche vereist und Wasser- sowie Wärme-Messung einzelner Wohnungen werden zur Nachhaltigkeit angewendet. Es gäbe noch viele ähnliche Beispiele.

Können Sie eines genauer erklären?

Man kann Abfallbehälter mit einem batteriebetriebenen Füllstandssensor ausstatten. Er sendet über ein Funk-Netz wie Mobilfunk oder LoRaWAN, seinen Status, anhand dessen der Müllabfuhr eine optimierte Route vorgeschlagen wird. So werden Leerfahrten vermieden und wertvolle Ressourcen geschont.

Aber dafür benötigt es eine Abdeckung eines IoT-Netzes beispielsweise  ein lokales LoRaWAN?

Hier gibt es in Zukunft viele Optionen. Momentan ist LoRaWAN eine gute Wahl. Strassenbeleuchtungsanalagen bieten sich als ideale Trägerinfrastruktur für LoRa-Gateways an. Sie haben einen permanenten Stromanschluss und verfügen über eine ideale Höhe, um Funksignale zu versenden und zu empfangen.

Jede Strassenleuchte ein Computer? Ist das nicht aufwändig?

Die neuste Generation von Strassenleuchten meldet einer Zentrale permanent ihren Zustand, um Defekte zu erkennen. Sie verfügen über eine standardisierte Hard- und Software-Schnittstelle, die es ermöglicht, Sensoren und Kommunikationsknoten anzubringen. Diese Plug-and-Play-Lösungen  sind trotz vieler Zusatzfunktionen nicht mal teurer als die alten Beleuchtungen.

Wie reagieren die Gemeinden und Städte auf diese Möglichkeiten?

Viele Orte wollen etwas tun, um Ressourcen zu schonen. Dank des IoT-Marktes wird viel interessante Arbeit auf qualifizierte Installationsfirmen zukommen. Die IoT-Kompetenz bietet engagierten Elektro-Unternehmen neue Möglichkeiten.


Erschienen in der electrorevue 10/2019