In der ersten Ausgabe der jährlich erscheinende repräsentativen Bevölkerungsstudie «DigitalBarometer» der Initiative APROPOS_ der Stiftung Risiko-Dialog wurden Wahrnehmung und Partizipationsbereitschaft im Thema Smart City erhoben. Es stellt von allen abgefragten Themenbereichen das grösste Chancenthema der Digitalisierung dar!

Über 80 % aller Schweizer_innen verbinden das Thema Smart City zumindest teilweise mit Chancen. Lediglich 19 % sehen mehr Gefahren als Chancen darin. Dass ein grosser Teil der Bevölkerung gleichermassen Chancen und Gefahren sehen, lässt sich auf gewisse Unsicherheiten in der Neuigkeit des Themas schliessen. Dies zeigt sich auch darin, dass mehr als die Hälfte der Befragten davon ausgeht, dass sich das (Zusammen-)Leben in der Stadt bzw. im Dorf in Zukunft stark verändern wird.

Weiter zeigt sich, dass die Landbevölkerung tendenziell mehr Gefahren assoziiert als Stadtbewohner_innen und weniger ein Bedürfnis nach Information hat. Dies mag unter anderem damit zusammenhängen, dass das Thema für die Landbevölkerung weniger greifbar und sichtbar ist und mit Städten in Verbindung gebracht wird.

Wer Chancen sieht, wünscht mehr Einbezug
Menschen wollen durchwegs bei der Weiterentwicklung ihrer Städte und Dörfer einbezogen werden. Interessant dabei: Bei den meisten anderen untersuchten Digitalisierugsthemen steigt der Wunsch nach Einbezug der Bevölkerung mit erhöhter Gefahrenwahrnehmung, um Sorgen adressieren zu können. Bei Smart City jedoch steigt der Wunsch nach Einbezug mit einer erhöhten Chancenwahrnehmung: Wer mehr Chancen in diesem Thema sieht, will mehr konkrete Projekte umsetzen und dort auch mitreden. Weiter sehen diese Menschen stärker als andere die Wirtschaft in der Pflicht, das Thema weiterzuentwickeln.

Vertiefte Analyse mit Expert_innen und Laien
Die zusätzlich geführten qualitativen Gespräche zeigen auf, dass nicht nur unter den befragten Personen aus der Bevölkerung, sondern auch unter Expert_innen keine Einigkeit darin besteht, was eine Smart City ausmacht oder wie eine entsprechende Strategie zu gestalten ist. Während für einige «smart» in erster Linie für eine Ressourcenoptimierung durch Datennutzung steht, verweist die Mehrheit darauf, dass «smarte» Strategien in erster Linie das Ziel haben, neben Infrastrukturen auch Organisationen und Personen zu vernetzen und dabei auf demokratischen Grundwerten und partizipativen Prozessen aufzubauen.

Aus der Diskussion mit Personen aus der Bevölkerung lässt sich ableiten, dass die grössten Bedenken im Hinblick auf Datenschutz bestehen (z. B. ständige Überwachung, Hacking-Angriffe). Auch Expert_innen teilen die Meinung, dass hier eine zentrale Herausforderung liegt. Expert_innen nannten aber noch weitere konkrete Risiken wie Infrastruktursicherheit oder die allfällige Entwicklung von Lösungen für noch nicht-existierende Probleme.

Dennoch besteht unter Expert_innen Konsens, dass es sich hier um bewältigbare Hürden handelt. Anders gesagt, Smart City wird in erster Linie als grosses Chancenthema gesehen, um heutigen und künftigen gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen. Wie die quantitative Umfrage sowie die qualitative Vertiefung zeigen, gilt dies auch für die Bevölkerung – zentral ist aber die gesellschaftliche Einbindung innerhalb konkreter Umsetzungsstrategien. Den Städten selber und den Behörden wird hierbei sowohl von Expert_innen als auch von Bevölkerungsseite eine hohe Verantwortung zugeschrieben, das Thema voranzutreiben und Innovation zu fördern.

Der detaillierte Bericht zu Smart City und andere Digitalisierungsthemen ist auf http://www.apropos.swiss/de/digitalbarometer zu finden.

Autorin: Nathalie Stübi