Smart City – Vom innovativen Pilotprojekt zum breitenwirksamen Roll-Out smarter Infrastruktur

Im Jahr 2008 lebten weltweit erstmals mehr Menschen in Städten als in ländlichen Gebieten. Auch in der Schweiz hält der Trend zur Urbanisierung ununterbrochen an. Daher befinden sich bereits heute viele Infrastrukturen wie beispielsweise Strassen und Schienen an der vermeintlichen Kapazitätsgrenze.

Dennoch gehören Schweizer Städte heute zu den lebenswertesten Städten weltweit. Um diesen hohen Lebensstandard auch in Zukunft gewährleisten zu können, wird oftmals die Kapazitätserweiterung bestehender Infrastrukturen erwogen, welche allerdings oftmals durch die Verursachung zusätzlicher Allgemeinkosten (bspw. Raumbedarf, Treibhausgasemissionen) letztendlich im Zielkonflikt mit der angestrebten hohen Lebensqualität steht.

An verschiedenen Beispielen zeigt sich jedoch, dass auch die Anwendung smarter Technologien zur Verbesserung des Infrastrukturmanagements einen vielversprechenden Ansatz darstellen kann.

Infrastrukturkapazitäten müssen stets auf die Spitzenlast ausgelegt werden. Im Falle der Strassen und Schienen ist dies bspw. der tägliche Pendlerverkehr am Morgen und Abend, im Falle von Stromnetzen bspw. die Spitzenleistung, die zwischen Erzeuger und Verbraucher transferiert werden muss. IoT-Sensoren in Verbindung mit übergeordneten Daten-Plattformen wie bspw. der Switzercloud von Zenner Connect erlauben eine quantitative und zeitliche Analyse der Infrastrukturauslastung basierend auf historischen Daten.

In einem nächsten Schritt liesse sich auf Basis dieser Informationen durch entsprechende Anreize eine bessere zeitliche Verteilung der Infrastrukturauslastung erreichen – im Verkehrssektor entspräche dies einem Mobility Pricing und im Stromnetz einem zeitlich flexiblen Netznutzungstarif.

Die Voraussetzung für die Umsetzung dieser Optionen als Alternative zum Infrastruktur-Kapazitätsausbau bedingt jedoch den breiten Einsatz smarter und innovativer Technologien. Organisationen wie die Kickstart Innovation AG bringen bspw. internationale later-stage Startups mit etablierten Organisationen im Schweizer Markt zusammen, um konkrete Pilotprojekte umzusetzen. Aufgrund vermeintlicher technologischer und finanzieller Risiken findet der breitenwirksame Roll-Out von erfolgreich in Pilotprojekten erprobten Technologien oftmals dann aber nicht oder nur mit grosser zeitlicher Verzögerung statt.

Die Smart City Alliance setzt sich aktiv dafür ein, Unternehmen und Städte zu vernetzen und basierend auf erfolgreichen Pilotprojekten den Roll-Out neuer Smart City Technologien zu beschleunigen. Durch die Etablierung von Qualitätsmerkmalen wie beispielsweise dem Smart City Label und der Smart City Toolbox sollen zudem Hürden wie finanzielle und technische Unsicherheiten abgebaut werden, welche heute den erfolgreichen Roll-Out neuer Technologien erschweren.

 

Über den Autor

Ray Neubauer arbeitet für die Smart City Alliance im Fachgebiet Smart City Innovationen. Zudem ist er bei der Kickstart Innovation AG als Vertical Lead Smart City & Technology und bei der Solarify GmbH als Business Developer tätig. Bei der Urban Innovation Association Switzerland ist er Mitglied des Advisory Boards. Zuvor war Ray Neubauer in verschiedenen Wirtschaftszweigen wie bspw. dem Werkzeugmaschinenbau, dem Immobiliensektor und der Baustoffindustrie als Energieeffizienz-Manager tätig. Im Jahre 2008 absolvierte er sein Bachelorstudium als Elektroingenieur an der HSR Rapperswil gefolgt von einem Masterstudium in erneuerbaren Energien an der Brunel University London.